Forum Gegenwartsliteratur der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Forschung

Hier finden Sie die aktuellen und vergangenen Forschungsprojekte der FOGEL-Mitglieder.

Dekolonisierung des kulturellen Gedächtnisses in der Literatur afrikanischer Autor:innen und Autor:innen mit Afrikabezug

Beteiligte: Prof. Dr. Weertje Willms (Neuere Deutsche Literatur), Dr. Richard Tsogang Fossi (Germanistik/ Romanistik/ Restitutinsforschung, HU Berlin und Universität Dschang/ Kamerun), Prof. Dr. Nadja Germann (Arabische und Transkulturelle Philosophie, ALU Freiburg)

Kooperierende Institutionen: ACT (Africa Centre for Transregional Research), Literaturhaus Freiburg, Centre Culturel Français Freiburg, Kulturzentrum Schopf 2, jos fritz Buchhandlung und Café

Der Kolonialismus und seine Folgen gehören zu den zentralen Themen und Herausforderungen unserer globalen Gegenwart. In den letzten Jahren ist eine Zunahme von Forschungen und Diskussionen hierzu auf verschiedenen gesellschaftlichen und disziplinären Ebenen zu beobachten; besonders fruchtbar ist dabei die Erforschung des Themenkomplexes im Bereich der Literatur, zu deren spezifischen Funktionsweisen es gehört, kollektive Wahrnehmungsweisen, Bewusstseinszustände und Wissensformationen modellieren zu können, durch die eine Reformulierung des kollektiven Gedächtnisses erfolgt.
Im Sinne eines praktischen, künstlerischen Forschens werden in dem Projekt Künstler:innen zu Gesprächen mit Wissenschaftler:innen, Aktivist:innen und anderen Expert:innen eingeladen. Konzipiert ist eine Veranstaltungsreihe mit folgenden Künstler:innen, die in ihren Werken dezidiert Fragen des kulturellen Gedächtnisses und der Dekolonisierung verhandeln: Philomène Atyame, Fatou Diome, Mirrianne Mahn, Fiston Mwanza Mujila, Patrice Nganang, Sharon Dodua Otoo. Als Gesprächspartner:innen wirken u.a. mit: Stephanie Boye, Richard Tsogang Fossi, Nadja Germann, Thomas Klinkert, Weertje Willms. Neben den verschiedenen konkreten Formen der durch unsere Veranstaltungen angestoßenen Handlungsoptionen (Lehre an Schulen und an der Hochschule, Sichtbarkeit und Differenzierung des Bildes afrikanischer Kultur in der Öffentlichkeit etc.) sind verschiedene Gemeinschaftspublikationen geplant, die durch den Dialog zwischen Afrika und Europa, zwischen den Disziplinen (Literatur-/Kulturwissenschaft und Philosophie) und zwischen Theorie und Praxis (Artistic Research) neue Formen der wissenschaftlichen Analyse und Darstellung erkunden wollen.

DERIVATE: Retelling und Repetition

Leitung: Prof.  Dr. Eva von Contzen

Das Projekt befasst sich mit der literarischen Praxis des Wiedererzählens und nimmt u.a. den aktuellen Trend der retellings in der englischsprachigen Gegenwartsliteratur ihn den Blick. Retellings nutzen ‚altes‘ Erzählmaterial, beispielsweise antike Mythen, und erzählen diese ’neu’, angepasst an die Erwartungen und Werte eines zeitgenössischen Publikums. 

Fractales. Estrategias para la fragmentación en la narrativa española del siglo XXI (2020-2023)

Mitglied des „Equipo de trabajo“. Projektleitung: Carmen Morán Rodríguez y Teresa Gómez Truebea, Universidad de Valladolid. Finanzierung: Ministerio de Ciencia e Inovación.

A partir del conocimiento generado por el Proyecto de Investigación NABEA “La narrativa breve española actual: estudio y aplicaciones didácticas” (DGICYT FFI2015-70094-P),  se propone ahora el nuevo Proyecto «FRACTALES: estrategias para la fragmentación en la narrativa española del siglo XXI». Partiendo de la extendida consideración del fragmentarismo como un rasgo inherente a las propuestas más experimentales de la literatura contemporánea, se tratará de delimitar y estudiar un corpus de obras adscritas al género narrativo en lengua española, publicadas desde el año 2000 hasta la actualidad. Dicho corpus pretende abarcar aquellas obras poseedoras de estructuras extremadamente fragmentarias, que no sólo rompen con la tradicional linealidad del relato, sino que proponen también  un cuestionamiento del propio género al que en principio parecerían  adscribirse. Se trata de identificar aquellos espacios de indeterminación genérica en los que confluyen y se confunden  obras clasificadas en el mercado con la etiqueta de “novelas”, aunque en la práctica se presenten como un conjunto deslavazado, e incluso azaroso, de textos y fragmentos, junto a aquellas otras que, publicándose bajo la etiqueta de “libro de relatos”, sorprendentemente presentan una ligazón, más explícita o velada, entre las diferentes piezas del conjunto. A partir de ese corpus, se elaborarán estudios particulares de las obras representativas, atendiendo a aspectos contextuales y paratextuales, temáticos o narratológicos, a fin de proponer una taxonomía  que dé cuenta de la diferentes variantes que a menudo se engloban  sin matices  bajo las etiquetas “fragmentarismo” o “hibridismo”, así como de las posibles motivaciones que se esconden tras esas variantes.

Netzwerk Herkünfte

Das Netzwerk Herkünfte versammelt über 20 Forschende, die an Universitäten und anderen Bildungsinstitutionen in Deutschland, Österreich, USA, Frankreich, Polen und Belgien zum Thema erzählter, pluraler Herkünfte forschen. Das Ziel ist, literatur- und kulturwissenschaftliche Forschung zu verknüpfen, die den Begriff ‘Herkunft’ in all seinen Dimensionen und deren Verflechtungen erschließt. Das Netzwerk nimmt dabei intersektionale, interkulturelle, gendertheoretische, klassismuskritische, postkoloniale und andere Perspektiven ein, geht allerdings davon aus, dass keine dieser theoretischen Zugriffe im Stande ist, die literarischen und medialen Figurationen von pluralen Herkünften in Gänze zu beschreiben.

Poetiken der Ähnlichkeit um und nach 2000. Persistenz und Produktivität einer Moderne-Figur im gegenwartsliterarischen Kontext

Welche Bedeutung kommt einem Denken und Schreiben in Ähnlichkeiten gegenwärtig zu? Ist das Operieren mit Vergleich und Analogie im Zeitalter der Differenz noch zeitgemäß, eher nutzbringend oder schädlich? Sind fake news, ‚alternative Fakten‘ und die Risiken künstlicher Intelligenz ein Grund, Konzepte wie Mimesis oder Ähnlichkeit aus der Wissensproduktion endgültig zu verabschieden? Und schließlich: Welche Rolle kann Ähnlichkeit in Kunst und Literatur spielen, um auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren und Möglichkeitsräume aufzuzeigen?

Representing Solitary Confinement: Contemporary Forms, Contemporary Audiences, and the Limits of Critique

Heisenberg-Projekt (DFG)

Das Projekt untersucht narrative Darstellungen von Einzelhaft in der US-amerikanischen und britischen Kultur von den 1990er Jahren bis heute. Neben filmischen, televisuellen, journalistischen und künstlerischen Verhandlungen fokussiert das Projekt auch auf Darstellungen in der Gegenwartsliteratur und fragt danach, welche narrativen Verfahren verwendet werden, um das darzustellen, was eigentlich nicht darstellbar ist, aber die Gewalt von Einzelhaft ausmacht: die vollständige Ereignislosigkeit. Über die Frage der Darstellbarkeit untersucht das Projekt, wie Literatur über ästhetische Materialien affektiv und damit letztlich politisch zu mobilisieren vermag. Zu den untersuchten literarischen Texten der Gegenwart gehört neben dem “realistischen” Roman (Rachel Kushner, The Mars Room, 2018) auch Genre-Literatur (John Grisham, The Confession, 2010).

Sport-Arenen – Szenen und (Werk)Stätten des Sport-Events / Arènes du sport – Scènes et fabrique(s) de l’événement sportif (2023-2026)

Teilprojektleitung: Andreas Gelz.

Das Projekt untersucht Sport-Arenen als Szenen und (Werk)Stätten des Sport-Events im deutsch-französischen wie auch im europäischen und globalen Kontext. Dabei zielt ARENES unter synchroner und diachroner Perspektive auf Erkenntnisse über Funktionen und Dynamiken, die Gestalt(ung) und Medialisierung, die Wirkmacht und Aussagekraft von Sport-Arenen im langen 20. Jahrhundert. Diese stehen nicht nur als Orte der Produktion sportlicher Ereignisse im Vordergrund, sondern auch als Stätten der Inszenierung des sportlichen Spektakels und Körpers sowie der Zirkulation von Werten, Erfahrungen und Vorstellungen. Die sechs miteinander verzahntenTeilprojekte lassen sich in mehreren konstitutiven Zeitabschnitten der Sport-Arenen-Geschichte verorten, die von den Anfängen des modernen Sports im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bis in das frühe 21. Jahrhundert reichen. Die deutsch-französische Dimension des Vorhabens ist grundlegend und doppelt produktiv: methodologisch, weil ARENES erstmals Traditionen und Potentiale beider Länder in einer zunehmend interdisziplinären Sportforschung gewinnbringend verknüpft; inhaltlich, weil – ausgehend von einem gemeinsamen sportkulturellen Fundament – besonders von Frankreich im frühen 20. Jahrhundert bedeutende Einflüsse auf andere europäische Länder ausgingen und weil der gegenwärtige Globalisierungsschub des Sports dieses transnationale Binom in neuen Kontexten verankern und um neue Konstellationen erweitern muss. Daneben versteht sich ARENES als konsequent interdisziplinäres Projekt. Dabei wird die Einträglichkeit einer Kooperation zwischen den Geschichts- und Literaturwissenschaften nicht nur programmatisch postuliert, sondern erstmals im Rahmen eines DFG-ANR-Projekts in die Praxis umgesetzt. Die Sport-(Arenen-)Thematik eignet sich vorzüglich für ein Verschränken der disziplinären Blickwinkel: zum einen, weil dem modernen Sport selbst schon immer eine ästhetische Dimension innewohnte, zum anderen, weil der Sport ganz wesentlich auch als mediales Phänomen sowie als Ergebnis komplexer, kulturell kodierter kommunikativer Prozesse wahrgenommen wurde und wird.